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28.01.2021, Jamal Tuschick

Mirage

Sie ist Sturm und großer Gesang und viel zu groß für Berlin © Jamal Texas Tuschick

Mirage flüchtet vor dem Krieg nach Deutschland und geht da auf Tauchstation. Sie überlässt es einem zurückgebliebenen Geliebten sich Sorgen zu machen und Mutmaßungen anzustellen. Hassan verdient so wenig, dass sein Gehalt von den Fahrtkosten zum Arbeitsplatz verbraucht wird. Er arbeitet bei einer privaten Fluglinie, die prosperiert, seit der staatliche Luftverkehr auf die Bereitstellung einer Maschine reduziert wurde. Die permanente Nähe zu den Spielräumen der komfortabel den Kriegshärten nach Saudi-Arabien entgehenden Besserverdienern gibt Hassan eine Illusion von Halt. Tatsächlich hält ihn nichts.  

Eines Tages empfängt Hassan ein Manuskript seiner abtrünnigen Geliebten, das seine Biografie spiegelt. Vorderhand geht es um religiöse Spannungen und totalitäre Verhältnisse. In Wahrheit geht es um das Eingemachte des Empfängers. Auf den Brückenbögen der Lektüre bricht Hassan zu einer Selbstkonfrontation auf. Er begreift: Das Regime spaltet die Gesellschaft vorsätzlich. Jeder soll sich nur seinem Milieu verbunden fühlen.

Wie in einer blutigen Schmiere folgt die Verhaftung von Hassans Bruder, einem Offizier staatlicher Streitkräfte. Man degradiert Hamid, bis er sich in einer überfüllten Zelle wiederfindet, froh darüber, den schmerzhaftesten Zumutungen gerade einmal nicht ausgesetzt zu sein. Nur der Tod begnadigt die Delinquenten.  

Stellvertretend für seinen Bruder vollzieht Hassan den Umschwung von Liebe in Hass und den Durchmarsch einer Psychose, die nach allen greift. Die Psychose, das ist der Krieg. Seine postumen Rationalisierungen sind Kunstwerke der Unwahrheit.