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01.02.2021, Jamal Tuschick

Armut in Amerika

© Jamal Texas Tuschick

Einmal besuchen Sweden, Melanie und Ted das Mitchell Prehistoric Indian VillageDer Ausgrabungsbetrieb weckt in Sweden den Wunsch,  Archäologin zu werden. 

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Vor 580 Millionen Jahren schlug ein interstellares Geschoss ein Loch in die Erde, das als Acraman-Krater  in die Geschichte einging. Die Impaktstruktur ist stark erodiert und weist die gleichen magnetischen und gravitativen Anomalien wie die Depression von Yucatán auf. Sie erscheint als Senke mit einem Durchmesser von neunzig Kilometern. Das Relief ihrer Umgebung bestimmte die rasche Abkühlung einer vulkanischen Gesteinsschmelze vor Milliarden Jahren. Die Landschaft ist das Resultat einer Schock-Metamorphose. Kosmische Gewalt brachte sie hervor.

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Sweden betrachtet ein Foto vom Krater in einem antiken Reader's Digest. Sie ist die Tochter einer Wohlstandsverweigerin, die als Siebzehnjährige ihren Mercury Grand Marquis auf dem Besucherparkplatz einer Wohnwagensiedlung in South Dakota abstellte und zur Wohnung erklärte. Sweden und Melanie essen von Panbado Fine Bone China Porzellan, als Hommage an die Herkunft der Mutter. Melanie wurde als höhere Tochter schwanger. Die Prekären leben auf verseuchtem Boden und in direkter Nachbarschaft einer giftig stinkenden Müllhalde auf derselben sozialen Stufe wie Obdachlose.

Die kaputte Erde ist der Ersten Nation noch heilig. Ans Ursprüngliche erinnert allein der Name der Behelfssiedlung. Die Bewohner des Oglala-Lakota Tribe Memorial Park sind schießwütig. Die Abgesprengten lassen ihre Kinder mit Pistolen spielen und kennen von der Verfassung nur den 2. Zusatzartikel (Second Amendment to the United States Constitution), der es seit 1791 jeder Regierung verbietet, das Recht auf Waffenbesitz einzuschränken.

Swedens Verhältnisse erzeugen lauter Oppositionen zu gut. Alles ist umgekippt vor lauter Dreck, auch ein zur Jauche verkommener Bach, der hochtrabend Fluss genannt wird. Einmal taucht ein Alligator auf, dem Ei kaum entschlüpft. Er wird abgeknallt.

Sweden erlebt den bis eben nicht für möglichen gehaltenen Niedergang ihrer stärksten Bindung. Lange war ihre Beziehung zur Mutter partnerschaftlich-symbiotisch. Beide besorgte die Aussicht, eine Behörde oder ein Abschleppdienst könne ihr familiäres Provisorium beenden. Sie hielten Abstand und schützten ihre Lebensgemeinschaft vor Penetrationen.

Jetzt hält Melanie an einem Mann fest, der eifersüchtig über seine Vorrechte wacht. Ted lässst Sweden spüren, dass sie ihm im Weg steht. Bei Ausflügen im Tross der Turteltauben fühlt sich Sweden als Störung. Einmal besuchen Sweden, Melanie und Tod das Mitchell Prehistoric Indian VillageDer Ausgrabungsbetrieb weckt in Sweden den Wunsch,  Archäologin zu werden.