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16.03.2021, Jamal Tuschick

Ghetto & Glamour

Harlem mag ein hartes Pflaster sein. Aber Harlem ist gewiss auch der einzige New Yorker Schauplatz grandioser Schwarzer Selbstinszenierungen. Nur in Harlem verlieren die Deklassierten vor den Siegen der Bürgerrechtsbewegung ihren Diener:innen-Status. Aileen Delaware erlebt die Ambivalenz von Ghetto & Glamour in den frühen 1950er Jahren. Die Tochter eines Gewohnheitstrinkers und Schwarzbrenners, der nach dem Tod von Aileens Mutter seine geräumige Wohnung raumgreifenden Trinkgenossinnen öffnet, entgeht mit siebzehn den Taubenschlagkalamitäten in eine Ehe. Der kräftige Müßiggänger Eric verkörpert die virile Resignation. Die schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt dienen ihm als Ausrede für alles. Er überlässt Aileen die Brot- und die Hausarbeit. Offiziell ist Eric zu stolz, um sich den Spielregeln in einer weißen Welt zu unterwerfen.

Eine deutsche Einwanderin macht Aileen klar, dass sich Eric selbst demontiert, da er jedwede Verantwortung abgibt.

Aileen kommt gar nicht auf die Idee, es sei auch noch etwas anderes möglich, als sich abzurackern. Mit Bravour erfüllt sie die Aufgaben eines Hausmädchens und versäumt dabei das Glück mit ihrer Tochter Sonja.

Aileen studiert den familiären Betrieb ihrer ArbeitgeberIn. Sie adaptiert Aspekte des weißen Lebensstils, zunächst ohne zu erkennen, dass sie so nur ihre Arbeitsbedingungen verschärft. Schließlich begreift Aileen, dass sie von jeder echten Achtung ausgeschlossen bleibt. In der Zwischenzeit geht Eric fremd. Aileen empört sich kurz, dann nimmt sie Sonja mit in eine weiterhin prekäre Selbständigkeit. Sie bezieht eine Art Wohnhöhle, findet Arbeit in einer Bücherei und qualifiziert sich nach Feierabend.

Aileen hat den Aufstieg vor Augen. Sie will etwas aus sich machen.

Als Objekt der Begierde eines sinistren Hausmeisters muss sie mit Nachstellungen rechnen.

Die Misere endet nicht. Sie zeigt sich nur in ewig neuen Kostümen.