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01.04.2021, Jamal Tuschick

Liebe und Hoffnung sind immer stärker, als der Hass: Von Auschwitz zum glücklichsten Menschen der Welt – Eddie Jaku erzählt sein Jahrhundertleben.

Dass Eddie Jaku ein Buch über das Glück schreiben würde, wirkt auf den ersten Blick unvorstellbar; denn der heute in Australien lebende Hundertjährige, der 1920 als Abraham Jakubowicz in Leipzig geboren wurde, hat fast als Einziger seiner Familie den Holocaust überlebt, eine Odyssee durch die Todeslager von Buchenwald bis Auschwitz durchlitten und ist dem Tod unter unvorstellbaren körperlichen und seelischen Qualen dabei oft nur knapp entkommen. Dennoch spricht er beim Rückblick auf sein langes und bewegtes Leben von sich als dem „glücklichsten Menschen der Welt“. Eddie Jaku zeigt uns mit seiner aufrüttelnden Geschichte voller Weisheit, wie man trotz schwerem Leid zu einem gelingenden und erfüllten Leben zurückfinden kann, in dem der Glaube an die Menschlichkeit unerschütterlich bleibt.

Eddie Jaku erzählt seine oft erschütternde Lebensgeschichte mit großer Eindringlichkeit; von der glücklichen Kindheit in einer mittelständischen jüdischen Familie in Leipzig bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten, von seiner Ausbildung zum Feinmechaniker unter falscher Identität, die ihm später viele Male das Leben rettete und der Flucht mit seiner Familie nach Belgien. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beginnt ein Leben in Angst, in Verstecken und auf der Flucht. Doch schließlich wird die Familie verraten und nach Auschwitz deportiert, Eddies Eltern werden ermordet. Er selbst überlebt KZ, Todesmarsch und schwere Krankheit bis zur Befreiung durch die US-Truppen. Die ersten Jahre nach dem Krieg fällt ihm das Weiterleben nach dem Überleben sehr schwer, bis er seine große Liebe Flore trifft, mit der er bis heute verheiratet ist, ihr erster Sohn geboren wird und sie zusammen nach Australien auswandern. Zu diesem Zeitpunkt gibt sich Eddie Jaku, wie er jetzt heißt, selbst ein Versprechen; er will das Wunder seines Überlebens dadurch ehren, dass er glücklich ist, dass er sich aktiv für die Hoffnung entscheidet, ein freundlicher, großzügiger Mensch wird und ein gelingendes, bestmögliches Leben führt, im Kreise seiner großen, wachsenden Familie mit Kindern, Enkeln und Urenkeln. Und später in seinem Leben wird es ihm auch zur Aufgabe, Zeugnis abzulegen für kommende Generationen, Zeugnis von der Hölle, die er überstanden hat und von der so viele andere Menschen nicht mehr berichten können.

Doch trotz all des unvorstellbaren Grauens, das seinen Lebensweg geprägt hat, möchte er vor allem seine Hoffnung und nicht an erster Stelle seinen lebenslangen Schmerz mit uns teilen; den festen Glaube daran, dass die Menschlichkeit gewinnt, dass Hoffnung und Liebe immer stärker sind, als der Hass und dass Glück etwas ist, für das wir uns bewusst entscheiden können, auch in den dunklen Momenten unseres Lebens. So ist sein Jahrhundertleben nicht nur ein eindringliches Stück erlebter Geschichte – es ist ein zeitloses Lehrstück übers Glücklichsein und -werden im Hier und Jetzt.

„Als ich die dunkelsten Stunden meines Lebens hinter mir gelassen hatte, versprach ich mir selbst, dass ich den Rest meines Lebens glücklich sein und lächeln würde. Denn wenn du lächelst, dann lächelt die Welt mit dir. Das Leben ist nicht nur Glücklichsein. Manchmal ist es hart. Aber du darfst nicht vergessen, was für ein Glück es ist, am Leben zu sein. Insofern sind wir alle glückliche Menschen. Jeder Atemzug ist ein Geschenk. Das Leben ist schön, wenn du es zulässt. Nimm dein Glück in die eigenen Hände.“ Eddie Jaku

Eddie Jaku, vor über hundert Jahren in Leipzig geboren, wurde 1938 als Jude nach Buchenwald und später Auschwitz deportiert. Während seine Eltern ermordet wurden, überlebte er den Holocaust. In den 1950er Jahren wanderte er nach Australien aus, wo er bis heute im Kreise seiner Familie lebt.