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31.07.2021, Jamal Tuschick

„Was ich getan habe, tat ich gegen Hitler. Und ja, man kann das revolutionär nennen.“  Bertolt Brecht

Brecht im Schnee (vor dem Berliner Ensemble) © Jamal Tuschick

Kunst als Handwerk

An einem Abend im Januar 2017 sang Nina Hagen im Berliner Ensemble „Blowin’ in the Wind“ auf Deutsch und den „Alabama Song“ nach Jim Morrison, so dass einem die Exzellenz des 27 Club wieder einmal klar wurde. „Jung stirbt, wen Götter lieben.“

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In Bertolt Brechts Berliner Ensemble wurden Sonette aus dem Gelenk geschüttelt. Dem Meister gefiel es, seinen besten Schüler:innen die Kunst als Handwerk beizubiegen. Trotzdem war das Schreiben für die Ewigkeit. Jeder Vers musste so haltbar gemacht werden, dass er sein Verbot überlebte. Einer der begabtesten Brechtschüler war der auf sämtlichen Gegenschrägen festgenagelte Martin Pohl (1930 – 2007) - ein scheuer Mensch, sagen manche. Ihm zeigte der Meister sein lyrisches, unter Nihilismus-Verdacht gestelltes Frühwerk und freute sich über freundliche Worte des Schülers.
„Es sind schöne Formen dabei“, fand Pohl.
„Ja, nicht“, entgegnete Brecht, „und alles lässt sich zur Gitarre singen.“

Ein Abend mit Nina Hagen im Berliner Ensemble hieß passend zur Schote „Brecht-Lieder-zur-Klampfe“. Als „die Baracke noch fröhlich war“, Manfred Krug sprach so von der jungen DDR, lieh Nina Hagens Mutter dem preußischen Sozialismus das schönste Gesicht. Eva-Maria Hagen war da, wo die Musik spielte, im Epizentrum der Hoffnungen des neuen Deutschlands zwischen Chausseestraße (einer historisch nachklingenden W. Biermann-Adresse) und Schiffbauerdamm (der BE-Anschrift). Die Tochter erschien im Stil einer kosmischen Seeräuber Jenny, kam aber eher im amerikanischen Landfrauenstil zur Sache. Sie kesselte und keulte Lindenberg, Dylan, Woody Guthrie. Wusste sie nicht weiter, ging die Röhre los - ein Timbre wie Manspreading in den Auffanglagern der dritten Zähne - die Kraft der Leere. Zuerst sang Hagen das „Kriegslied“ von Matthias Claudius; Brecht könnte das Gedicht als Kind gehört haben. Sie sang „Blowin’ in the Wind“ auf Deutsch und den „Alabama Song“ nach Jim Morrison, so dass einem die Exzellenz des 27 Club wieder einmal klar wurde. „Jung stirbt, wen Götter lieben.“

Via Einspielung sah man den Exilanten Brecht 1947 vor dem Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Betätigungen:

“Are you a member of the Communist Party or have you been ever a member of the Communist Party?”

Brechts sagenhafte (poetisierte) Antwort: „Was ich getan habe, tat ich gegen Hitler. Und ja, man kann das revolutionär nennen.“