MenuMENU

zurück zu Main Labor

13.08.2021, Jamal Tuschick

Regelmäßiges Liebesdurcheinander

Man lebt in Berlin, verfügt über zwei Einkommen, zieht drei Kinder auf, und fühlt sich alles in allem angenommen und angekommen im eigenen Leben. Das Gelingen überwiegt.

Ein „regelmäßiges (Liebes-)Durcheinander“ konstituiert Evas Leben. Zum Ausgleich beweist die quirlige Akteurin Organisationsgeschick. Doch geben die Sicherungen zum Schutz einer emotional Unsteten schließlich nach. Mit dieser Aussicht auf eine Talfahrt beginnt der Roman.

In der Handlungsgegenwart ist die beinah Vierzigjährige mit dem Klarinettisten Stefan verheiratet. Die Ehe entfaltet keine durchgreifende Bindungskraft.

„Eva wäre (Stefan) gern treu gewesen“, heißt es lapidar. Ihr kommt immer etwas dazwischen. Die Sprunghaftigkeit treibt Eva in den Aberglauben. Sie lacht über die fadenscheinigen Beweisführungen esoterischer Weisheiten.  

Tanja Langer, „Kleine Geschichte von der Frau, die nicht treu sein konnte“, Roman, Mitteldeutscher Verlag, 18,-

Von ihrer Freundin Nora lässt sich Eva die Karten legen. Die Frauen bemühen sich sehr umeinander. In diesem Verhältnis herrscht die Kontinuität, die in anderen Beziehungen verpasst wird.

Nora arbeitet als Sexberaterin, Eva in einem Auktionshaus.

Tanja Langer verknüpft die Krise ihrer Heldin mit einem unter Druck geratenen Europa. Orkane fegen über den Kontinent. Der Ätna flucht. Flüsse treten über ihre Ufer und reißen Dörfer ab, während Evas Lebensschiff krängt.

Vor der dramatischen Großwetterlage verlangen Evas Kinder Lucie, David und Sina Nudeln. Ihr Begehren gehört zum Urlaubsalltag in Agrigent.

Eva resümiert den Lauf der Welt und bemerkt doch vor allem die Emanationen ihrer schwindenden Jugend.   

*

Man lebt in Berlin, verfügt über zwei Einkommen, zieht drei Kinder auf, und fühlt sich alles in allem angenommen und angekommen im eigenen Leben. Das Gelingen überwiegt. Doch am Saum des Gelingens klebt die Unzufriedenheit.

Die Autorin gibt einer aufbaggernden und aufgebaggerten Persönlichkeit den Hauptraum im Roman. Eva regt sich schnell auf, etwa im Urlaubsduell mit Ludwig, einem leitenden Onkologen, der mit seiner Frau Sibylle, die in Neukölln eine allgemeinmedizinische Praxis betreibt, im Verhältnis zu Stefan und Eva das erfolgreichere Gespann bildet.  

Same same but different. Man hat ein Gespräch mit dem befreundeten Survivor-Team. Es reicht, um gemeinsam zu verreisen. Doch das Mehr an Spielraum der einen vermindert die Gelassenheit der anderen.

Dazu bald mehr.

Aus der Ankündigung

Was ist das eigentlich, mein Leben? 

Eva ist fast vierzig, Eva hat drei Kinder, Eva hat einen Mann und Eva geht immer wieder fremd. Und als sie vor dem Bild »Die Frau in drei Stadien« des Malers Edvard Munch steht, fährt ihr auch noch der Schreck ihrer eigenen Endlichkeit in die Glieder. Fortan – steht alles kopf: Wie geht das heute, Liebe und Eifersucht und das Leben mit Freunden, und wie soll man das überhaupt alles hinkriegen? Der tragikomische Roman entführt nach Sizilien und Norwegen, in den Orchestergraben einer Oper und den Alltag einer working mom. Tanja Langer erzählt in einer lebhaften, frischen Sprache, humorvoll und ernst, eingängig und komplex über alles, was uns manchmal im Leben zu fehlen scheint.