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17.08.2021, Jamal Tuschick

Ephebische Intensität

In einem Brief an den aus Kattowitz gebürtigen Juristen und Kritiker Franz Goldstein (1898 - 1982) unterscheidet Klaus Mann hierarchisch lyrische von gedanklicher Schönheit zum Nachteil der glücklichen Fügung und des gelungenen Wortes. Der Exilant reagiert am 15.05. 1936 in Sanary-sur-Mer auf ein Buch, dessen Erscheinen ihm eine Goldstein-Besprechung meldete. Er revanchiert sich mit einer privaten Rezension von hoher Warte.

Klaus Mann behauptet einen umfassenden Vorsprung. Er betont einen Abstand, um gleichzeitig weit ausholend die behauptete Ferne mit feuilletonistischer Fülle zu dementieren.

Klaus Mann widerspricht sich. Er verdeckt eine Kränkung. Offenbar wähnt er sich in Reichweite einer Anmaßung, die er Gert René Podbielski (1914 - 1989) unterstellt. Um dessen „Kindheit des Herzens“ geht es nicht nur. Klaus Mann bezichtigt Podbielski, einen zu hohen Rang zu beanspruchen.  

Ich zitiere aus Klaus Mann, „Briefe“, herausgegeben von Friedrich Albrecht, Aufbau Verlag

Wie disst man auf hohem Niveau? So!

Podbielski dürfe sich mit keiner(m) Großen vergleichen. Sein Ton sei nicht neu; der Stil „gepflegt, oft hübsch“. Gelegentlich gleite die Manier (der Strich) direkt ab in die Gosse der „Geschmacklosigkeit“. Das Ganze ergäbe sich „sehr eklektisch“ und zusammengeschrieben. Klaus Mann ruft die „ephebische Intensität (und) das verspielte Pathos“ ins Feld. 

So wie Podbielski im Jetzt einer harten Zeit habe man als Begabte(r) 1925 geschrieben.  

„So darf man es nicht machen“, schreibt Klaus Mann. Man darf nicht wegen Hitler.

Klaus Mann schmälert Podbielski auf vielen Wegen und so auch im Wege der Kontaktschuld. Der Geschmähte publiziere „im Verlag Mussolinis“.

Klaus Mann gibt zu, verstimmt zu sein. Es ist nicht schwer, sich seine Lage klarzumachen. Er und die anderen Zuständigen verbergen sich in Verhauen der inneren und räumlich expansiven Emigration, während Mittelmäßige im entspannten Wettbewerb unter sich die aktuellen Genies ausloben.

Klaus Mann schreibt sich in Rage. Bald ist die Rede nur noch von einem „Produkt“, das die „Aufnahmewilligkeit“ des Rezensenten auf eine harte Probe stellt.