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16.09.2021, Jamal Tuschick

Mysterious Crew Disappearance

Die Autorin bezieht sich auf ein historisches Ereignis. Doch diente es der Inspiration allein. In einer Vorbemerkung teilt Emma Stonex mit:

„Im Dezember 1900 verschwanden drei Wärter von einem abgelegenen Leuchtturm auf der Insel Eilean Mòr auf den Äußeren Hebriden. Sie hießen Thomas Marshall, James Ducal und Donald MacArthur.“  

Ich habe eben nachgegoogelt. Stonex spielt auf eine phantastische Geschichte an. Die Rede ist vom Flannan Isles Lighthouse Miracle. Das Flannan Isles Lighthouse ist eine Seefahrer:innenhilfe vor der festländisch-schottischen Westküste. Am 15. Dezember 1900 bemerkte ein Kapitän die irreguläre Betriebsruhe des Leuchtturms. Der Turm tat nicht, was er sollte, trotz weithin schlechter Sicht. 

Eingebetteter Medieninhalt 

Sturmgesichter

Den zeitlichen Ausgangspunkt des Romans liefert das Jahr 1972. Jory Martin, ein nautisches Original aus der Kanalstadt Lymington, hört im Radio von dem Verschwinden eines Mädchens „oben im Norden an einer Bushaltestelle“. Er stellt es sich vor, verstört und klatschnass, während vor ihm das Meer „spiegelglatt“ sämtliche Sturmgesichter verbirgt. 

Emma Stonex, „Die Leuchtturmwächter“, Roman, übersetzt von Eva Kemper, S. Fischer Verlag, 22,-

Im nächsten Durchgang steuert Jory ein Ablösungsmannschaft zu einem Leuchtturm, der, soweit es trockenen Boden betrifft, beinah umgebungslos aus dem Meer ragt. Da soll ein Aushilfswärter seine Bewährungsprobe bestehen. Die dem Jungen ins Gesicht geschriebenen Sorgen, mischen Jory auf. Er erinnert die eigene Jugend in maritimen Szenen, während vor ihm der fiktive Maiden-Rock-Leuchtturm auftaucht. Der Turm steht, so lokalisiert ihn Stonex, „28 km südwestlich von Land's End“. In der Realität findet man in der Gegend der Cornwall'schen Landzunge das Wolf Rock Lighthouse, benannt nach dem Sockelfelsen, „a single rock, 18 nautical miles from Land's End“. Quelle

Tatsächlich leuchtet in einem Schärenverbund vor Ballygally (in der nordirischen Grafschaft Antrim) ein 1829 erbautes Maiden Rock Lighthouse. Seine vergleichsweise genaue Anschrift lautet Southern Rock. Es gab nämlich ein 1903 aufgegebenes Pendant auf dem Northern Rock.  

*

Jory, das Greenhorn und die Ersatzmannschaft erreichen einen offenbar unbemannten, in jedem Fall verrammelten Leuchtturm. Von innen verschlossen war auch das Tor zum Flannan Isles Lighthouse. Die Geschichte wiederholt sich* als Phantasie.

*„Die Geschichte wiederholt sich immer zweimal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce.“ Karl Marx

Stonex bespielt das Thema genretypisch. Das Herz der Finsternis leuchtet am Erzählhorizont auf. Die Stimmung ist Brontë-Gothic.   

Bei den Verschwundenen „handelt es sich um Oberwärter Arthur Black, Wärter William 'Bill' Walker und Hilfswärter Vincent Bourne.“

Provozierende Stille

Tage später rückt ein Rollkommando an, sprengt den Orkanschutz (eine Stahlplatte) vom Eingang und tastet sich in „provozierender Stille“ vor. Die Inspekteure bemerken nicht mehr als eine frostige Ordnung.

„Das Geländer glänzt. Leuchtturmwärter haben ihre Eigenarten, sie sind von den Feinheiten der Hausarbeit besessen, sie polieren, putzen, wienern; nirgends ist es so sauber wie in einem Leuchtturm.“

Aus der Ankündigung

»Ein erstklassiges Debüt« (The Guardian), »Faszinierend wie ein aufgewühltes Wintermeer« (The Sunday Times), »Wunderbar klug und atmosphärisch« (Observer) – Der internationale Bestseller aus England

In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch unberührt. Die Uhren sind stehen geblieben. Zurück bleiben drei Frauen, die auch zwei Jahrzehnte später von dem rätselhaften Geschehen verfolgt werden. Die Tragödie hätte Helen, Jenny und Michelle zusammenbringen sollen, hat sie aber auseinandergerissen. Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage – des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung.

Emma Stonex hat in ihrem Roman »Die Leuchtturmwärter« ein fesselndes Drama über Verlust und Trauer geschaffen – und über die Liebe, die es braucht, um das Licht am Brennen zu halten, wenn alles andere von Dunkelheit verschlungen wird.

»Ein außergewöhnliches Buch! Durch jede Seite, jede Figur hallt die dunkle, mächtige Präsenz des Meeres wider.« Raynor Winn, Autorin des Bestsellers »Der Salzpfad«

»Mystery, Liebesgeschichte und Schauerroman in einem. Ich wollte nicht, dass es endet!« S J Watson

»Misstrauen, Lügen und eine doch außergewöhnliche Liebe verbindet diese Frauen in einem Roman, der sich für Hoffnung und Zusammenhalt ebenso interessiert wie für Mord und Rache.« Guardian 

Emma Stonex, 1983 in Northamptonshire in England geboren und aufgewachsen, begann ihre Karriere als Lektorin. Mehrere Jahre arbeitete sie erfolgreich in einem großen Verlagshaus, bevor sie ihrem Traum vom Schreiben folgte. Schon immer fasziniert von Leuchttürmen, inspirierte sie nicht zuletzt das mysteriöse Verschwinden dreier Leuchtturmwärter auf den Flannan Isles zu ihrem Roman. Stonex lebt heute in Bristol.