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27.10.2021, Jamal Tuschick

Der Bauch von München

Das Alois Dallmayr Delikatessenhaus zählt zu den Münchner Institutionen. Zugleich wirkt der Betrieb (seit 1890 in der Dienerstraße) weit über die Landesgrenzen hinaus. Doch nur in Japan gibt es Dallmayr-Filialen. Man pflegt den Ruf einer heimischen Marke mit Weltflair. 

„Die Ursprünge des Unternehmens lassen sich bis ins Jahr 1700 zurückverfolgen … Um 1870 gelangte das Geschäft in Besitz von Alois Dallmayr … Er verkaufte ... (es) 1895 an Therese und Anton Randlkofer.“ Wikipedia

Lisa Graf, „Dallmayr. Der Traum vom schönen Leben”, Penguin Verlag, 15,-

Die Autorin startet ihre in den Farben der Gründerzeit kolorierte Anverwandlung an eine - ihrer Epoche vorauseilende - Unternehmerin mit einer Vision. Therese und ihr Gatte „wollen den Dallmayr zum Bauch” von München machen. Das Bild vom Bauch einer Stadt spielt auf die Markthallen einer anderen Kapitale an. Ein Roman von Émile Zola heißt Der Bauch von Paris.

Der unentwegt tätigen Therese schwebt eine konkurrenzlose Qualitätsoase vor, die weit über den vorgezeichneten Kolonialwarenrahmen der deutschen Lebensmittelwüste Land abnimmt. Im Wettbewerb mit lokalen Handelshausherren bemüht sich Therese erfolgreich um den Titel „königlich bayrischer Hoflieferant“.

Das war ein Gütezeichen noch in meiner Kindheit. Da hieß es ehemaliger königlicher Hoflieferant. Das hatte immer noch was zu sagen in einer Gesellschaft, die das ständische Prinzip zurückwies. 

An den Hof und in die ersten Häuser der Stadt liefert Anton persönlich aus. In der Handlungsgegenwart liegt er allerdings danieder. Beinah über Nacht verlor der gute Mann seine Stattlichkeit; und so verliert Therese bald ihren Gatten. Da sagt man dann früh verwitwet

Aus der Ankündigung

Zum Dahinschmelzen schön – die Saga um den legendären Aufstieg des Feinkostladens Dallmayr!

München 1897. Anton und Therese Randlkofer führen den beliebten Feinkostladen Dallmayr in der Dienerstraße. Während die Gutsituierten erlesene Pralinen, honigsüße Früchte und exquisiten Kaffee probieren, träumen vor den prachtvoll dekorierten Schaufenstern die einfachen Bürger vom schönen Leben. Ein jeder möchte Kunde im Dallmayr sein. Doch dem glanzvollen Aufstieg des Familienunternehmens droht ein jähes Ende, als Patriarch Anton ganz unerwartet verstirbt. Schon wenige Tage später beginnt sein Bruder Max zu intrigieren, um das florierende Geschäft unrechtmäßig an sich zu reißen. Entschlossen, ihm das Feld nicht kampflos zu überlassen, setzt sich Therese an die Spitze des Unternehmens. Noch weiß sie nicht, dass auch in den eigenen vier Wänden Geheimnisse lauern …

Akribisch recherchiert, mitreißend geschrieben – Lisa Graf entführt ihre Leserinnen in diesem wunderschön ausgestatteten Paperback-Roman ins München der Jahrhundertwende. Perfekt zum Schwelgen und Genießen!

Lisa Graf ist in Passau geboren. Nach Stationen in München und Südspanien schlägt sie gerade Wurzeln im Berchtesgadener Land. Als Hobbybäckerin hat sie eine Schwäche für Trüffelpralinen und liebt Zitronensorbet mit Champagner. Mit ihrem grandiosen Familiensaga-Auftakt entführt sie ihre Leserinnen ins München der Jahrhundertwende und verzaubert mit einer wunderbaren Familiengeschichte rund um den Feinkostladen Dallmayr.