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20.11.2021, Jamal Tuschick

Perspektivwechsel - Ausstellung in der Kunsthalle Rostock

Andy Warhol, „Holstentor“, ein Werk aus der Reihe German Monuments, 1980 in Lübeck zur Schau gestellt in Gegenwart des Künstlers, der merkwürdig unbeschwert und zugänglich die Prisen der Dankbarkeit entgegennahm. © Jamal Tuschick

„Durch genaueste Betrachtung eines Gegenstandes all seine Eigenschaften feststellen.“ Stendhal

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Es gibt keinen gravitationsmächtigen Unterschied mehr zwischen den Hansestädten Rostock und Lübeck, die es nicht vor der DDR schon gab. Unter anderem zeigt sich das in der arrangierten Topografie der vergleichenden Bilderschau. Das See- und Kaufmännische, die Stadttore, Speicherstädte und Hafenensemble bestimmen die Weichbilder. Das Kolorit bekommt seine Färbung vom Regionalen, aber das Baltisch-Maritime überformt jede Differenz. Die Städte stehen wie Schwestern in den Kleidern der Kunst nebeneinander. Fahren Sie nach Rostock. Schauen Sie sich das an. 

Links: Willi Sitte, „Praktikantin mit Buch“, 1967, Am Ende war er „mächtiger als die Stasi“ (Christoph Tannert). Willi Sitte verkörperte den Staatsmaler, einen sozialistischen Ritter Lenbach. Sitte war Präsident des Verbandes Bildender Künstler, Abgeordneter der Volkskammer und Mitglied des Zentralkomitees der SED. Er untergrub das System durch Partizipation. Rechts: Jørgen Buch, „Chilenischer Fußball 1974“ © Jamal Tuschick

Stadttore und Speicherstädte

Aus dem Pressetext

Nach 31 Jahren Deutscher Einheit werfen die Kunsthalle St. Annen in Lübeck und die Kunsthalle Rostock in der Doppelausstellung Perspektivwechsel einen gemeinsamen Blick auf die Geschichten der Häuser und Perspektivwechsel einen gemeinsamen Blick auf die Geschichten der Häuser und die Entwicklung ihrer Sammlungen aus der Zeit der innerdeutschen Teilung bis in die Gegenwart. Gemälde, Grafiken, Plastiken und Installationen aus den Beständen beider Museen werden zusammengeführt. Der Dialog der Kunstwerke ermöglicht es, Haltungen und Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und eröffnet die Chance der Brücke und des Austausches für die Institutionen und insbesondere für die Besucherinnen und Besucher. Gemeinsam mit ihnen lässt sich die Kunst und ihre Wahrnehmung in Ostund Westdeutschland vor und nach 1990 sowie die Frage nach heutigen Grenzen und kulturellen Barrieren diskutieren. Diese Begegnungen sollen neue Synergien schaffen, inspirieren und den Austausch beleben.

Die Doppelausstellung ist in der Kunsthalle Rostock und in der Kunsthalle St. Annen zeitgleich zu sehen. Gegliedert wird sie durch die Themenbereiche „Polaritäten“, „Parallelen“, „Brückenschlag und Austausch“ , „Wiedervereinigung“ und „Gegenwart“, wobei beide Häuser unterschiedliche Schwerpunkte setzen. In Rostock werden anhand von Exponaten und Archivmaterialien grenzübergreifende Verbindungen im Norden Deutschlands vor 1990 rekonstruiert sowie die Sammlungsgeschichten beider Häuser im Prozess der Wiedervereinigung näher in den Blick genommen. In Lübeck wiederum liegt der Fokus auf der Rostocker Biennale der Ostseeländer mit der Kunst aus dem Ostseeraum, musealisierten Privatsammlungen sowie auf bedeutenden künstlerischen Positionen der letzten 20 Jahre.