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19.12.2021, Jamal Tuschick

Vor ein paar Tagen war ich in der Rostocker Kunsthalle, nun also das Lübecker Pendant der ursprünglich systemübergreifenden Ausstellung „Perspektivwechsel - Kunst nach 1945 aus den Sammlungen der Kunsthallen Lübeck und Rostock“. 

In Rostock sah ich den Lübecker Warhol.

Andy Warhol, „Holstentor“, ein Werk aus der Reihe German Monuments, 1980 in Lübeck zur Schau gestellt in Gegenwart des Künstlers, der merkwürdig unbeschwert und zugänglich die Prisen der Dankbarkeit entgegennahm. © Jamal Tuschick

Jonathan Meese vermachte der Lübecker Kunsthalle seine hochdramatische Darth-Vader-Mumin-Installation. © Jamal Tuschick

„Der leere Blick des Sozialismus“

Und dann sagte ein Rostocker in Lübeck: „Und hier sehen Sie den „leeren Blick des Sozialismus“. Ulrich Hallucha, Junges Paar in der Straßenbahn, 1971 © Jamal Tuschick

Als Promoter einer Renaissance des Sozialistischen Realismus sehe ich etwas ganz anderes als Leere in den Blicken der Werktätigen. Dazu bald mehr.

Pressetext

Perspektivwechsel - Kunst nach 1945 aus den Sammlungen der Kunsthallen Lübeck und Rostock

In der Doppelausstellung Perspektivwechsel werfen die Kunsthalle St. Annen in Lübeck und die Kunsthalle Rostock einen gemeinsamen Blick auf die Entwicklung ihrer Sammlungen aus der Zeit der innerdeutschen Teilung bis in die Gegenwart. Entstanden und geprägt von Ideen und Haltungen verschiedener Gesellschaftssysteme, weckt die geografische Nähe der beiden Hansestädte – nicht zuletzt mit Lübeck als ehemalige Grenzstadt – das Interesse, die beiden Museen näher zu betrachten. Gemälde, Grafiken, Plastiken und Installationen aus den Beständen beider Museen werden zusammengeführt und in einen spannungsreichen Dialog gebracht. So gelingt es, neue Perspektiven auf die jeweils eigene Sammlung zu eröffnen und gleichzeitig einen Einblick in den Bestand des Partnermuseums zu erhalten: Wiedererkennen, Vergleichen, Bekanntes aus einem anderen Blickwickel betrachten, Neues entdecken. Was erzählen uns die Werke über die Kunst und ihre Wahrnehmung in Ost- und Westdeutschland vor und nach der Wende? Gemeinsam lassen sich diese Themen im Hinblick auf die Zeit vor und nach 1990 sowie die Frage nach heutigen Grenzen und kulturellen Barrieren diskutieren.

Ein wesentliches Bestreben dieser Museumskooperation liegt in der Präsentation zum Teil lange im Depot verwahrter und bisher kaum erforschter Werke. In Lübeck wird u. a. die kurze Erwerbungsphase des Sammlungsbereichs von Kunst aus der DDR neu betrachtet. Bezeichnend hierfür ist die Erwerbung des monumentalen Gemäldes Lob der gelegentlichen Unvernunft, 1979/80 von Bernhard Heisig mit Mitteln des Vereins der Freunde. Das Werk konnte dank der Unterstützung der Corona-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung restauriert werden und wird erstmals nach langer Zeit wieder präsentiert. In der Kunsthalle Rostock hingegen sind die Erwerbungen abstrakter bzw. gegenstandsloser Positionen, wie Willy Wolff (DDR), Gerhard Hoehme (BRD) oder Lauri Ahlgrén (Finnland) hervorzuheben und intensiver zu betrachten sowie die Erwerbungen von Kunstwerken aus dem Westen. Vor allem die Ausrichtung der Biennalen der Ostseeländer ermöglichte den Erwerb bedeutsamer Werke aus Westdeutschland, darunter der Farbholzschnitt Sintflut, 1972 von HAP Grieshaber.

Die Doppelausstellung ist in der Kunsthalle Rostock und in der Kunsthalle St. Annen zeitgleich zu sehen. Beide Häuser setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ein Besuch beider Ausstellungen in Lübeck und Rostock ist daher ein absolutes Muss! 

Begleitet wird die Ausstellung von dem Projekt „BILDKLANG“. Die Musiker „Synthesia“ aus Rostock und der Kontrabassist Florian Galow aus Lübeck ließen sich von der Kunst inspirieren und haben eigens für die Ausstellung zu ausgewählten Kunstwerken Musikstücke komponiert.  

Willi Sitte, Der Notstandsritter, 1964, präsentiert bei der 2. Biennale der Ostseeländer 1967 in der Rostocker Kunsthalle