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30.04.2022, Jamal Tuschick

Hallig-Hymne

Hanseatisch-urbane Oberflächlichkeit versus gediegene hochnorddeutsche Küstenländlichkeit – Auch Svenja Lassen weiß, es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Für eine Nordfriesin von echtem Schrot und Korn heißt das, es gibt kein richtiges Leben in Hamburg.  

Die Autorin schreibt mit Küstenherzblut. Sie hat sich einer Landschaft und seinen Menschen verschrieben. Ihre Hallig-Hymne verherrlicht das Nordfriesische in sämtlichen Spielarten.  

Küstenherzblut

Die Fotografin Marlie Jensen träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Noch hält sie sich mit Jobs über Wasser. Im Auftaktgeschehen des Romans schlägt sich Marlie mit Promotions- und Servicejobs durch. Vor der Premiere eines neuen Biene-Maja-Films spielt sie die Titelheldin. In der Verkleidung droht ihr der Hitzetod. In der „Kostüm-Sauna“ flankiert sie den triumphalen Auftritt eines Kollegen als Sidekick. Rick Meierhof ist der Star, Marlie die Statistin. Plötzlich packt sie die Sehnsucht nach ihrer friesischen Heimat.  

Svenja Lassen, „Meer Liebe im Herzen“, Roman, Blanvalet, 11,- 

Da, wo Marlie herkommt, gilt Hamburg als letzter Halt vor Stuttgart. Sie stammt aus Fahretoft, einer Hallig der ursprünglichen Hallig-Gemeinde Dagebüll, von den Einheimischen Doogebel genannt.

„Die Hallig Fahretoft wurde 1633 durch den Mariendeich, heute Holländerdeich, mit Waygaard verbunden und einige Jahre später endgültig gesichert.“ Quelle

Marlies Vorfahren lebten in garantierter Abgeschiedenheit. Sie siedelten auf Warften. Trubel kannten sie nur vom Wetter. Die vaterlos aufgewachsene Nachfahrin seefester Bauern ist nicht nur mit der Miete in Hamburg im Rückstand. Es fehlt auch der seelische Rückhalt.  

Marlie überwirft sich mit einem ihrer Arbeitgeber, kurz bevor sie erfährt, dass sie - nach einem Unfall der Mutter - zuhause gebraucht wird. Heimlich atmet sie auf. Die Chance, heimzukehren und allen möglichen Illusionen unauffällig abzuschwören, kriegt so eine schicksalhafte Note. Wie zarter Nebel camoufliert ein Hauch von höherer Gewalt Marlies Not. 

Urbane Oberflächlichkeit versus gediegene norddeutsche Küstenländlichkeit

Ihr schwebt vor, „unter dem Radar des Dorffunks zu agieren“. Daraus wird nichts. Als Stellvertreterin ihrer Mutter Doris, der örtlichen Postmeisterin, erwartet Marlie umgehend Tuchfühlung mit der Nachbarschaft.

Die Heimkehrerin zuckt innerlich zurück. Äußerlich gibt sie sich tapfer und tatenfroh. Sie erneuert alte Bekanntschaften, unter anderem nähert sich die Aushilfe dem Frührentner Enno, der von seiner bewährten Deichschafzucht auf Alpakas umgestiegen ist. Er bietet Wattwanderungen mit einem Alpaka an. Das entspricht dem Heilschwimmen mit einem Delfin.

*  

Marlies Bruder Torge, seine Frau Bente und Marlies Nichten Leni und Hauke kommen gleich mal zum Grillen vorbei. Torge wäscht seine Schwester den Kopf. Er beamt sie auf den Boden der Tatsachen.

Marlie täuscht Torge gegenüber einen Trotz vor, für den ihr längst die Unvernunft fehlt. Ihre Autonomiebehauptungen laufen leer, während Doris‘ Kolleg:innen die verlorene Tochter selbstverständlich mit dem Bann der Zugehörigkeit belegen. Gefackelt wird nicht. Sofort ist Marlie mit von der Partie bei einer Skatrunde ausgeschlafener Urgesteine im Dorf-Krug.

Und wer kommt hinter dem Tresen hervor? Marlies alte Flamme Finn Andresen. Noch liegt „eine Gletscherspalte“ zwischen den beiden. Doch taut das Eis unter der Sonne des Begehrens.

Svenja Lassen erzählt mit dem herzlichsten Vergnügen an Marlies Katharsis unter den nordfriesischen Vorzeichen für wiedererlange Bodenhaftung.

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Es gibt auch noch Tourist:innen, die Koffer solistisch mit der Bahn expedieren lassen. Marlie muss Koffer schleppen und sich dem Online-Bestellboom gewachsen zeigen. Ehe sie sich versieht, ist sie auch wieder als Fotografin gefragt. Alles fügt sich. Alles?

Aus der Ankündigung

Meeresleuchten in lauen Sommernächten, eine unverhoffte Begegnung und Küsse, die nach Meer schmecken!

Marlie schlägt sich in Hamburg mit Aushilfsjobs durch, während sie vergeblich darauf wartet, dass sich ihr Traum von der Schauspielschule erfüllt. Doch dann erhält sie überraschend einen Anruf. Ihre Mutter hat sich verletzt und benötigt Hilfe. Marlie hat keine große Lust, in ihr verschlafenes Heimatdorf an der Nordseeküste zurückzukehren, schließlich ist sie fortgegangen, um Großes zu erreichen. Aber das Konto ist leer, der Vermieter ungehalten – da ist die Aussicht auf ein wenig Seeluft und Meeresrauschen gar nicht mal so übel. Nur für ein oder zwei Wochen. Und es muss ja nicht das ganze Dorf davon erfahren, dass sie ihre Mutter besucht. Vor allem einer nicht: Jugendliebe Finn.
Leider läuft für Marlie alles anders als geplant, und es ist nicht nur die unerwartete Begegnung mit einem Alpaka, die ihr Herz aus dem Takt bringt …

So frisch, hinreißend und erheiternd wie eine Meeresbrise – nach dem SPIEGEL-Bestseller »Meer Momente wie dieser« endlich der neue Sommerroman von Svenja Lassen!

Svenja Lassen lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn im hohen Norden Deutschlands, unweit der Nordsee. Am glücklichsten ist sie mit einer Brise Seeluft im Haar und Strandsand unter den Füßen. Ihre Leidenschaft für Bücher entdeckte sie bereits als Kind, seit 2016 kam aber auch die Liebe für das Schreiben eigener Geschichten hinzu. Inzwischen begeistert sie mit ihren romantischen und humorvollen Wohlfühlromanen zahlreiche Leserinnen und Leser und stürmt mit ihren Büchern die Kindle- und die SPIEGEL-Bestsellerlisten.