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30.12.2019, Jamal Tuschick

„Kann das Einfrieren eines Telefondisplays in genau dem Moment, in dem die Wiedergabe eines durch Recherche im Internet entstandenen Bilderpools verhindert wird, Fotografieren genannt werden?“

Digitalisierung auf dem Holzweg - Die Suchmaschinenkunst des Joachim Schüler

Man sieht Farbfelder. Ihre Zusammenstellung behauptet erst einmal nichts. Man kann sie poetisch und ebenso sachlich finden. Man darf sich über die Bildunterschriften wundern, bis man erfährt, dass es sich um Suchbegriffe handelt.

Die Arrangements ergaben sich aus Eingaben in Suchmaschinen. Bevor sich nach Vorgabe der Eingabe ein Foto individualisieren konnte, erfolgte planvoll die Unterbrechung des Prozesses einer Bildwerdung.

„Schnappschüsse“ nennt Schüler die eingefrorenen Vorstufen der Totalität. Er erlaubt der Google-Invasion nicht, ihre bezwingende Größe Gestalt werden zu lassen. Der Künstler blockt. Er riegelt den Zugang des Vollbildes auf seinem Rechner ab.  

Aus dem Bilderozean der Netz-Zeit gefischt - Joachim Schüler gibt Datenmüll in einem konstruktivistischen Kontext ein neues Zuhause

„Ich habe das gemacht, um mich überraschen zu lassen.“

Das erklärt Schüler vor seiner Kunst, die zurzeit in der Kunststation Kleinsassen zu sehen ist. Man könne das Bildbearbeitungsschema als Verfahren zur „Überlistung der eigenen Erwartungen“ beschreiben. Die Content-Veredlung erfolgt in einem dreistufigen Aufbau der Verarbeitung.

„Zuerst knöpfe ich mir den Datenmüll vor.“

Weißer Keil und Meeresschaumsaum

Aus dieser Feldforschung ergeben sich die Schnappschuss-Montagen, die Schüler als Screenshots anspricht. Im nächsten Abschnitt entstehen Holzschnitte, die wie technische Reaktionen auf solarisierte Fotos wirken. Tatsächlich reduziert Schüler alle möglichen Bildelemente, bis nur ein weißer Keil oder Streifen eine graue Fläche teilt. Manchmal erkennt man noch den Ursprung des Weißen. Das kann ein Tapeziertisch sein oder ein Meeresschaumsaum.  

Von der Pleinair Malerei zur Online Impuls Art und wieder zurück

Erstens, zweitens, drittens … in der dritten Phase zerspringt der Vorgaberahmen und Schüler kehrt zur Materialität von Holz und Ölfarbe zurück. Er entzieht dem digitalen Kunstgewerbe den Budenzauber und unternimmt damit eskapistische Ausflüge. Schüler baut Bilder, von denen er sagt, sie seien gemalt. Links sehen sie eine hölzerne Farbfeldtafel, die in einem engen familiären Verhältnis zu den Screenshots steht. 

Der Screenshot im Holzrahmen ... Abendstimmung in dem von Künstlern kolonisierten Rhöndorf Kleinsassen. Zwei Steinerne Meere sind nah.  

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